Die Stadt des lebenden Todes
Die Stadt der Toten ist ein Unternehmen, welches
sich des Todes innerhalb unserer, d.h. einer säkularisierten, rationalisierten
und ökonomisierten Kultur annimmt. Dieses Unternehmen verfolgt
das Ziel, die distinktive Opposition zwischen Leben und Tod aufzulösen.
Zum einen, wird hier der Versuch unternommen, den Tod zu profanieren,
also der Sphäre des Göttlichen zu entreißen und dem
menschlichen Gebrauch und Verkehr verfügbar zu machen, ohne ihn
aber dabei dem ökonomischen System der Akkumulation zu übergeben.
Denn dieses System hat kein anderes Ziel, als dem Tod selbst den Todesstoß
zu verpassen.
Zum anderen soll der Tod wieder als integrativer Bestandteil des Lebens
erlebbar werden, wobei jedoch klar ist, dass die Brücken, welche
den »primitiverer« Kulturen zu Verfügung standen –
der Symbolismus des Festes, der Initiation, des Rituals – für
unsereins nicht mehr begebar sind. Die rationalistischen Strukturen,
die uns umgeben einfach zu leugnen und uns wieder in das vormodernen
Geflecht des Symbolismus zurück zu wüschen, ist ein naives
und zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Viel Erfolgsversprechender
scheint es doch zu sein, diese Strukturen zu missbrauchen und sie im
Sinne einer Bataillschen Verschwendung zu nutzen.
(…..)
Der ewige Kreislauf
Verchromte Rohre leiten die Flüssigkeit aus
den durchrationalisierten Industriehallen hin zu einer leuchtenden und
spiegelnden Konstruktion. Es ist eine Architektur aus Rohren, die ein
ineinander verwobenes Geflecht ergeben. Es ist ein Kreislaufsystem,
in dem sich die liqueszierten Körper miteinander vermischen und
immerfort weiterzirkulieren. Immer neue Körper werden aufgelöst
und eingeleitet. Der Kreislauf muss unaufhaltsam expandieren, um sie
alle aufnehmen zu können. Das Rohrsystem verzweigt sich mehr und
mehr. Die Architektur wächst, ist nie vollendet.
Die Bewegung der Flüssigkeit, setzt Raffinerieprozesse in Gang.
Die Flüssigkeit trennt sich, Feststoffe setzten sich ab, Gase entstehen.
Die Änderung der Aggregatszustände haben eine Zunahme der
Volumen zur Folge. Es entsteht Druck, der kompensiert werden muss. Die
Architektur wächst weiter, aber sie scheidet auch aus. Salzanhäufungen
sammeln sich am Boden, überschüssige Gase werden über
Fackelventile verfeuert. Säuren werden entbunden, deren Aggressivität,
die Rohre zum bersten bringen. Am System muss immer gearbeitet, immer
ausgebessert werden, um dem Paroxysmus zu entgehen.
Wege und Treppen führen die lebenden Besucher durch das System.
Die zirkulierenden Flüssigkeiten bringen die Rohre in Schwingung,
Resonanzen und Dissonanzen entstehen, die Architektur wird zum Klangkörper.
Es ist eine Architektur die ständig wächst, eine Architektur
die tropft und krächzt. Es ist eine Architektur die ausscheidet,
eine Architektur die zerfällt und hochexplosiv ist. Es ist eine
unrationale, verschwenderische, gefährliche Architektur.
Es ist eine Architektur die leuchtet und spiegelt, und klingt. Es ist
ein Ort, an dem sich die Toten und die Lebenden verlieren……und
vielleicht stellt er die Verbindung zwischen beiden wieder her, gibt
ihnen die Möglichkeit, sich wieder untereinander auszutauschen.